Still's Philosophie

Aus: Prinzipien der Osteopathie "Philosophy of Osteopathy" von
Andrew Taylor Still
.Kirksville, MO 1899

Grundprinzipien für das Tun eines Osteopathen sind gezielt und kenntnisreich die Maschinerie des menschlichen Lebens, mit all ihren Zwecken, für die sie erschaffen wurde, zu verstehen.

Dazu ist es notwendig, den Bauplan und die Bestimmung der Einzelteile nicht nur zu vermuten, sonder genau zu kennen und dabei nicht zu vergessen, dass alle Bauteile sehr genau wissen wo sie hingehören, und welche Aufgaben sie zu erfüllen haben.

Wenn diese Anatomie, beziehungsweise die "Bauanleitung" vollständig verinnerlicht ist, wird er sich dann dem Kapitel der Kräfte widmen, die für die reibungslose Bewegung der Maschine zuständig sind.

Bewältigt sie die Aufgaben, wofür sie erschaffen wurde?
Wo hat die Kraft ihren Anfang, die auf alle Treibriemen, Rollen, Lager und unzählige Teilbereiche übertragen wird?
In diesem Kapitel werden sich die Gedanken des Osteopathen mit dem Gehirn beschäftigen.

Den Ursprung dieser Kraft erkannt, kann er deren Fluss durch die verschiedenen Bestandteile dieses großartigen Lebenssystems neugierig und weise verfolgen. Im Besonderen das Blut, das im Verein mit anderen Körperflüssigkeiten mit der Kraft des Herzens und des Gehirns durch eine lange Serie von großen und kleinen Röhren geführt wird, um Organe, Muskeln und Membranen zu bilden, die unverzichtbar für jede Bewegung und all das Leben sind. Röhren, die zum Teil soverschwindend klein sind, dass wir ein starkes Mikroskop benötigen, um Ihre winzige Form zu erkennen.

Nun - aufgrund dieser, anhand von anatomischer Literatur und zahlreicher Sektionen erlangte, genaue Kenntnis über den normal funktionierenden Körper, ist der Osteopath für seine "Inspektion" gut vorbereitet und somit in der Lage die perfekt arbeitende Maschine von einer fehlerhaften "reparaturbedürftigen" zu unterscheiden.

Lokomotiven werden verformt, weil sie entgleisen oder mit großer Wucht gegen Widerstände prallen. Leitungen oder Lager werden verbogen, Bolzen brechen oder gehen gänzlich verloren, so dass sie bis zu ihrer Reparatur nutzlos sind.

Der Osteopath beginnt damit die Räder zu richten, in dem er sie mit geraden Lagern versieht; dann wird er ganz automatisch zum Kessel, zur Heizkammer zur Antriebs-welle und zu jedem weiteren Teil, das zu einer funktionierenden Maschine gehört, geführt.
Indem er sicherstellt, dass alles gerade ausgerichtet ist und sich an seinem angestammten Platz befindet, die die Bauanleitung vorsieht, hat er alles getan, was von einem Mechaniker erwartet wird.

Dann gibt er die Maschine an den Maschinisten weiter, der sie wässert und feuert und dieses Wesen auf seinen Weg bringt.

Ihr als osteopathische Mechaniker könnt nichts weiter tun, als den nicht normalen Zustand zu beseitigen, in welchem ihr den Betroffenen vorfindet.
Die Natur wird den Rest erledigen.